Wissen sie, was das schlimmste ist? Es hat mich noch nicht mal erwischt. Ich fühle mich nur seltsam müde, innerlich leer. Meine Speiseröhre brennt. In meinem Magen schleicht ein Gefühl hin und her. Ich liege im Bett und esse eine Scheibe Brot, bestrichen mit Frischkäse, dieser Sorte mit Meersalz. Aus Langeweile sehe ich mir die erste Folge „House of Cards“ an, denke daran, dass ich danach duschen sollte, um noch unterwegs zu sein. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, was für eine Wortschöpfung, muss pünktlich beim Arbeitgeber landen. Und ich bin schon einen Tag in Verzug. Das wird aber niemanden interessieren in dem Laden. Draußen verzieht sich langsam der Frost, es wird immer heller. Vögel zwitschern. Ich vermisse die Stille, die Dunkelheit und was weiß ich. Sie wissen schon, was ich meine. Niemand kennt mich. Ich kenne mich selbst nicht. Und ich habe keine Ahnung. Ich weiß gar nicht wovon. Merkwürdig.

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Der Fremde

Kennen sie diese Abende, an denen auf dem Rasen im Garten ganz leicht der Nebel aufsteigt? Lassen sie mich ehrlich sein, früher ist mir das nie aufgefallen. Wahrscheinlich war mein Blick damals auf das Wesentliche verstellt. Vielleicht hätte ich auch nicht begriffen, dass kleine Wassertröpfchen, die vom Boden aufsteigen, für einen Moment das sind, woran man sich klammert, was einen für einen Augenblick beseelen kann.

Es ist schon seltsam, dass wir erst ein gewisses Alter erreichen müssen, um den Wert solcher Situationen zu begreifen.

Kleinigkeiten wahrzunehmen, um sie als Geschenk zu nehmen, das bedarf wohl jahrzehntelanger Arbeit an einem selbst und Erfahrungen, die wir gern vermieden hätten.

Mit innerem Frieden, den wir erst finden müssen, hat das jedenfalls nichts zu tun, denke ich.

In meinem Inneren herrscht an manchen Tagen noch immer Krieg, Chaos, Angst, Panik und Unsicherheit.

Mein Vater hat aus dem, was ihn innerlich ängstigte und peinigte, immer für mich ein Rätsel gemacht. Ich habe den Schlüssel zu ihm oder einen Geheimcode, die richtige Zahlenkombination, nie gefunden.

Im nächsten Sommer ist er zehn Jahre tot, und im Grunde weiß ich nichts über ihn.

Leider haben wir auch kein wirkliches Thema miteinander gefunden. Über die Jahrzehnte sind wir uns immer fremder geworden. Ich weiß nicht, ob ich mich noch an den Klang seiner Stimme erinnern kann. Eher nicht, denn es war eine sehr leise Stimme, die irgendwann nur noch schweigen konnte oder wollte. Wenn ich bei meinen Eltern ankam, winkte mein Vater mir auf eine seltsam distanzierte Art und Weise zu, die ein spontanes Gespräch unmöglich machte.

Vielleicht war das seine Sicht auf die Welt und ihre Menschen, zwischen denen er sich notgedrungen bewegen musste.

Wie gesagt, vielleicht.

Als ich noch ein kleiner Junge war, stand nach der Arbeit immer seine Aktentasche im Flur und gab Zeugnis über einen anstrengenden Tag. Die gelbweisse Brotdose wurde von meiner Mutter von Brotkrümmeln befreit, abgewaschen und schon für den nächsten Morgen präpariert.

Derweil war mein Vater verschwunden. Aus dem Keller roch es nach Zigarettenrauch. Lux war seine bevorzugte Marke. Bis heute verstehe ich nicht, dass er kaum etwas anderes rauchte. Ekelhaft im Geschmack, wenn wir überhaupt bei Glimmstengeln von so etwas sprechen können.

Er hielt sich meistens im Heizungsraum auf, sortierte Werkzeug und schimpfte dann und wann, wenn wieder etwas nicht an seinem Platz lag. Der Unbekannte aus dem Keller.

Interessanterweise fällt mir kaum mehr zu ihm ein.

Draußen, wenn er den Hof harkte, trug er immer einen Cordhut und einen ausgewaschenen Arbeitskittel. Der Mann redete einfach nicht. Er war seltsam verschwiegen. Schon damals hätte ich viel dafür gegeben zu wissen, was in seinem Kopf herum ging. Aber er blieb bis zum Schluss ein Rätsel.

Ich frage mich oft, was ich hätte anders machen können. Wahrscheinlich alles.

Ich glaube, meine Mutter war die einzige Person, mit der er überhaupt redete. Seine Meinung behielt er fast immer für sich. Lieblingsfarbe? Fehlanzeige. Lieblingsmusik? Keine Ahnung.

Möglicherweise hielt mich mein Vater für einen Außerirdischen, der zufällig bei ihm und meiner Mutter gelandet war. Zu allem eine Meinung, laute Musik oder immer ein Buch in der Hand.

Kurzum, der personifizierte Gegenentwurf.

Meine Mutter hat einmal gesagt, dass ich mich wie mein Vater bewege. Das kann ich kaum beurteilen. Ich sehe kaum Ähnlichkeiten. Obwohl, ich kann genau wie er früher vor mich hin schimpfen, wenn ich allein bin.

Immer noch bin ich auf der Suche danach, was zwischen mir und meinem Vater stattgefunden hat und was geblieben ist von gemeinsamen Erlebnissen. Manchmal möchte ich nicht verstehen, dass alles so verblasst bis nichts mehr aus der Vergangenheit erkennbar ist.

Nächstes Jahr werde ich 51 und frage mich, wieviel Sommer mir noch bleiben. Was möchte ich noch erleben? Wovon Träume ich noch? Und ob es überhaupt Träume gibt? Bin ich noch auf der Suche nach irgendetwas, was ich mit meiner Frau machen möchte?

Welche Träume hat wohl mein Vater gehabt? War er mit 50 auch noch auf der Suche?

Hatte sich mein Vater sein Leben so vorgestellt? Oder wurde er gelebt von den Situationen.

Gerade schneit es und ich denke für einen Moment an sein von Schnee bedecktes Grab.

Seit meinen letzten Notizen sind ein paar Wochen vergangen. Warum auch immer, mein Vater ist noch weiter weg von mir. Untergetaucht, nicht mehr nur im Nebel.

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Prolog

 

 

Am Ende des Tages wollte er niemandem mehr etwas schuldig sein.

Er hatte alles gegeben, mehr als er vertragen konnte. Nun wollte er einfach nicht mehr.

Es war still im Haus.

Der Strick war alt aber gut gearbeitet. Seinem Körpergewicht würde er ohne große Mühe Stand halten. Den alten Stuhl hatte er aus dem Keller geholt.

Langsam legte er den Strick um den Hals und zog etwas zu.

Der Stuhl wackelte etwas, aber was für eine Rolle spielte das noch.

Niemandem wollte er noch Umstände machen. 48 Jahre konnten genug gewesen sein für einen wie ihn.

 

Lächerlich, dachte er bei sich, nahm den Strick ab und stieg vom Stuhl hinunter.

Einfach nur lächerlich.

Lächerlich, sein Leben, dieser Tag, dieser Stuhl, dieser Strick. Dieser Moment.

Natürlich würde er nur anderen damit einen Gefallen tun. Schließlich schämte er sich für diese absurde Idee.

Einfach verschwinden, darin war er so gar nicht geübt.

Zwanzig gute Sommer waren noch möglich und eine echte Option. Er überlegte nicht lange, schleppte den Stuhl wieder dorthin, wo er gestanden hatte.

Müde, alt und krank fühlte er sich und blickte hinaus in die Dunkelheit.

War das alles, was das Leben für ihn bereitgehalten hatte?

Und war das der Fingerabdruck, den er hinterlassen würde?

Eindeutige Antworten gab es nicht. Die Wahrheit würde immer irgendwo dazwischen liegen.

Wahr und unwahr, rational und irrational, emotional und….

Er hatte alles so unendlich satt. Glück, das war nie ein längerer Zeitraum für ihn gewesen. Mehr als glückliche Momente hatte es nicht gegeben. Immerhin. Aber sollte er nun dankbar dafür sein? Warum?

An der Bar des Lebens hatte er seine Zeche bezahlt. Er konnte aufstehen und gehen. Vermissen würde ihn wohl kaum jemand.

Wenn das Dasein so etwas wie eine Mahlzeit war, vielleicht ein Frühstück oder ein Abendbrot, so bekam er keinen einzigen Bissen mehr hinunter. Das Hier und Jetzt steckte ihm im Hals.

Wind kam auf, Hagelkörner hämmerten gegen die Fensterscheiben, und in der Ferne bellte ein Hund.

Wie passend, dachte er bei sich.

Vielleicht sollte er einen Koffer packen. Einen Koffer voller Erinnerungen. Aber was sollte dort hinein?

Seine Kindheit?

Sein Verhältnis zu seinem Vater, das er nicht mehr hatte reparieren können, weil es zu spät war?

 Erinnerungen an seine Mutter, seine erste Liebe, den ersten Kuss?

 Etwas Platz musste auch für seine Krankheit bleiben, die seit Jahrzehnten Ruhe gab, aber manchmal wie ein Stachel in seinem Fleisch brannte.

Plötzlich dachte er daran, alles einzupacken, was ihm in den Sinn kam. Er hatte nichts mehr zu verlieren.

Ein sehr schwerer Koffer würde es werden. So viel war sicher.

 

 

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Schwarz Weiß 

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Shine a light

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November 23, 2012 · 15:20

Von vernetzten Gauklern und faulem Zauber

Als er um die Mittagszeit aufwachte, war noch alles gut.
Er drehte sich eine, fuhr den Rechner hoch und sah auf seiner Single – Seite, dass die Luft noch rein war. Kein Störenfried, keiner seiner Feinde trieb hier gerade sein Unwesen.
Beruhigt ging er erst mal einen Kaffee kochen. Während der so durchlief, klapperte er einige Profile ab, natürlich verdeckt. Wozu hatte man auch zig Identitäten. Er grinste zufrieden.
Schließich waren sie alle noch da. Die mit den langen Beinen auf Foto nr.4, die mit den sinnlichen Lippen und auch die mit der riesigen Oberweite. Tja, dachte er, alles meine Mädels. Lecker, einfach nur lecker.
Schrie er online nach einem Kaffee, war sicherlich gerade eine von ihnen auch da und servierte die Tasse, schwarz und natürlich ganz ohne Milch und Zucker.
Natürlich war das Leben gerade wieder grausam zu ihm.
Sein Vermieter machte ihm Dampf, weil er sich weigerte, das Treppenhaus wie alle anderen zu wischen und drohte ihm mit einer horrenden Erhöhung der Nebenkosten. Die würde das Amt nie bewilligen.
Dieser elende Schnösel!
Aber solange seine Mädels ihm die Stange hielten, war eh alles egal.
Das reale Leben war etwas für Wichtigtuer! Hier! Online! Da spielte die Musik…und er war der Bandleader, der Shouter, der Mann für die schrägen Töne und die verrücktesten Textzeilen.
Wurde es ihm zu bunt mit diesen pseudointellektuellen VollPfosten, gründete er mal wieder einen seiner berüchtigten Klubs. Als Anchorman, rasender Sportreporter, Politkritiker oder Chefanalyst der Single – Plattform war er dann unschlagbar unterwegs.
Als Zauberer und Gaukler fraßen ihm sogar die selbsternannten Forensahneschnitten aus der Hand.
Total inkognito schuf er immer neue Identitäten, Lebensläufe, erfand lebensbedrohliche Krankheiten, die er als ganzer Kerl sehr zum Leidwesen seiner Feinde angeblich überstanden hatte. Für sein höriges Gefolge klangen Nachrichten dieser Art immer wie Erlösung und Segen zugleich.
Die abenteuerlichsten Gerüchte rankten sich um ihn, den Geheimagent in „selbstloser“ Mission.
Erlösung und Herrschaft hatte er sich auf die Fahne geschrieben.
Versonnen blickte er auf den Bildschirm seines Rechners. Als gerade in diesem Moment einer seiner ärgster Widersacher einen Artikel postete, lachte er nur kurz schrill auf.
Welches seiner Fakes würde er nun wiederbeleben und in Stellung bringen für die passende Gegenattacke?
Online hatte er doch ohnehin den längeren Atem.
Er war pure Magie…

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In the shadows…

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Juni 1, 2012 · 19:57