Free as a bird…
Eingeordnet unter Kurzgeschichten
Sailer ….
“Mach dir keine Sorgen”, flüstert mein Agent, “falls du das erste Kind deiner Eltern warst, haben sie dich auch mehr geliebt als deine Geschwister!” Mein Agent Gerald hat gerade diesen spöttischen Unterton, und es gibt genug Gründe dieses Gespräch nun endgültig zu beenden.
Wir reden gerade über mein zweites Buch.
Es liegt wie Blei in den Regalen.
Mein Erstling, natürlich halb gelogen und halb biographisch, verzückte sämtliche Kritiker. Er thronte 78 Wochen auf dem ersten Platz der Belletristik-Charts. Und ich kauere hier schutzlos auf meinem Sofa, blicke durch das große Panoramafenster in die Dunkelheit.
Früher war ich nur reich an Erfahrung, seit einiger Zeit nervt mein Banker mit immer neuen Ideen, mein Kapital zu vergrößern.
Ich trete vor die verglaste Front, in der ich mich durch die vollkommene Dunkelheit perfekt spiegeln kann und lege einfach auf.
Ich schalte mein Handy ab, schließe die Augen. Der Wetterbericht hatte recht. Die ersten Ausläufer eines Sturmtiefs erreichen die Küste. Der Wind presst sich an die Scheiben, aber ansonsten ist es sehr still.
Einer der Welse in meinem Aquarium schnellt an die Wasseroberfläche, um sich dann wieder hinab gleiten zu lassen.
Was will Gerald eigentlich von mir?
“Stefanies Wahrheit ” ist zweimal verfilmt worden. Nadia Uhl und Kirsten Dunst. Ich weiß nicht, welche von beiden meiner Hauptperson mehr Schärfe, mehr Sinnlichkeit gegeben hat. Neben ihnen durfte Gerald über den roten Teppich schreiten, in Berlin, in Hollywood auch. Wahrscheinlich hat ihn das süchtig gemacht. Anders lassen sich seine penetranten Anrufe mit der Bitte um eine Fortsetzung wohl kaum erklären.
Ich fühle mich müde und matt. In meiner Nachbarschaft halten mich alle ganz sicher für neureich. Sie haben recht und kennen mich dabei kaum. Der Spiegel hat ein dreiseitiges Interview abgedruckt, aber ohne Bild. Den „Rolling Stone“ liest hier auf Sylt wohl niemand und Arte wird immer ein Nischensender bleiben. Also was soll’s. Ich schleiche die steile Treppe hoch Richtung Schlafzimmer.
Keith Jarretts Köln Concert wiegt mich in den Schlaf. Ich fühle mich hohl, dumpf und gelangweilt von mir selbst.
Am nächsten Morgen peitscht Regen über die Insel. Ich möchte gar nicht aufstehen. Es ist schon seltsam, wenn keine Verpflichtungen auf einen warten. Sie nennen mich Autor, Künstler, ich weiß nicht, was sonst noch. Als ich meinen alten Deutschlehrer vor einiger Zeit besucht hatte, erntete ich nur Kopfschütteln. “Sailer, Sailer…..Teufel auch! ” Während seine Worte an meine Ohren drangen, umwabert sein unsäglicher Zigarrenrauch meinen Kopf. Die Sauerstoffsättigung in meinem Blut geht gegen null.
“Sie Teufelskerl, sie! Unterschätzt, definitiv unterschätzt!” murmelte er.
Dieser Teufelskerl liegt hier unter seiner Decke und traut sich nicht in einen Tag, der ihm so gar nichts abverlangen will. Die Tage und Nächte sind seit fast zwei Jahren nur gut zu mir. Aber ich weiß das nicht zu schätzen, fange damit nichts an. Die Angst als ständiger Begleiter ist verschwunden. Geblieben sind eine unendliche Leere und die Tatsache, dass ich zwar vorher keine echten Freunde hatte, sich das nun aber auch nicht geändert hat.
Ich sitze auf meiner Bettkante und friere. Würde ich hier verweilen, es würde niemand registrieren. Es würde niemanden interessieren.
Später bin ich Richtung Kampen unterwegs. Der Regen hämmert gnadenlos auf das Blechdach meines SLKs.
Silke und Britta habe ich in Frankfurt auf der Buchmesse kennengelernt. Sicherlich ist es keine Freundschaft, die uns seitdem verbindet. Aber ich spüre, dass sie sich wirklich freuen, wenn ich zum Frühstücken in ihr kleines, aber gediegenes Bistro komme. Ihre Umarmungen sind ehrlich, obwohl mir immer etwas schwindelig wird, wenn beide ihre Körper so ganz und gar an mich pressen. Beide, jede für sich hat ganz sicher abgewägt, ob ich vielleicht der Mann an ihrer Seite sein könnte. Und dabei ist es dann aber geblieben.
Ich nippe an meinem Kaffee, schaue in die Runde. esse Rührei, bekleckere mich mit Ketchup und krümele mit meinen Brötchen.
Ohne Plan, aber auch ohne Sorgen. Oder umgekehrt, und das klingt dann schon nicht mehr so erfreulich.
Heimlich fahre ich mit meinen Fingern über mein Gesicht. Was ist aus mir geworden? Seltsam schwach fühle ich mich plötzlich. Gibt es auch Bettkanten in Bistros? Vermutlich.
Der Laden füllt sich allmählich. Silke und Britta rotieren. Ich winke ihnen zum Abschied stumm zu.
Draußen bleibe ich eine Weile in der steifen Brise stehen, einsam und allein gelassen. Und weiß dabei trotzdem nicht, was oder wer mir wirklich fehlt.
Damals wollte ich immer wie Redford sein, ein Sundance Kid. Oder so wie Hoffman in “Die Reifeprüfung “. Irgendwo dazwischen habe ich mich aber wohl verlaufen oder an einer Kreuzung den falschen Weg gewählt.
Ich schlage den Kragen meines Mantels hoch und gehe Richtung Parkplatz.
Mein Laptop ist ein Lenovo 550, alt aber verlässlich. Mittlerweile staubt er schon leicht ein, weil mir seit Tagen nichts mehr einfallen will, was sich aus einem kleinen zu einem großen Ganzen zusammen fügen könnte. Früher hatte ich ein Gespür dafür, wann eine Geschichte in mir lauerte, sich anfing zu regen und zu bewegen. Im Moment ist da gar nichts. Gerald weiß das seit kurzem, für mich ist das nichts Neues. Ich spüre nichts.
Als ich die Tür meiner alten Kate aufschließe, kann ich an meinem Zuhause nichts Positives finden. Es ist niemand da, der hier dem ganzen etwas Wärme gibt, das kleine Haus zu einem Heim macht. Im Flur halte ich kurz inne.
Ich hatte mich für diese Immobilie entschieden, nachdem ich in Hannover keine Ruhe mehr finden konnte.
Andererseits bin ich einfach nur froh. Froh und verrückt, dieses einsame Leben zu führen. Die Sehnsucht nach einem anderen Menschen ist längst gegangen. Sie hat sich fortgeschlichen. Ich weiß es. Mir konnte es keine Frau recht machen. Und ich bin für die Frauen immer ein Rätsel geblieben, mal unnahbar und manchmal einfach nur ein Trottel.
Durch “Stefanies Wahrheit” habe ich mich freikaufen können. Aber der Preis war hoch.
Hier auf Sylt kennt mich niemand. Stundenlang laufe ich am Strand und durch die Dünen. Vielleicht bin ich ein Flüchtender, ein Suchender.
Ich würde mir selbst nicht über den Weg trauen wollen, wirklich.
Als ich mein Handy anmache, sind 17 Nachrichten auf der Mailbox. Natürlich Gerald zwölfmal, meine Mutter dreimal.
Aber auch zwei Nachrichten von Andrea.
Die gemeinsame Zeit mit ihr ist ein Sonnensystem entfernt. Ihre Stimme klingt auch beim erneuten Abhören der Sprachnachricht so unendlich zerbrechlich. Meine Nackenhaare stellen sich auf.
Drei Tage später hole ich sie vom Bahnhof ab. Sie winkt mir von weitem zu.
Als sie direkt vor mir steht, umfassen ihre schlanken Hände mein unrasiertes Gesicht. Endlose Schauer laufen mir den Rücken hinunter. Sie ist wunderschön.
“Müde siehst du aus“, flüstert sie leise. Ihre Lippen berühren dabei nur ganz flüchtig mein rechtes Ohrläppchen.
“Auf der Flucht lebt es sich nicht so entspannt”, entgegne ich. Wir beide müssen lachen, weil es vielleicht blanker Unsinn ist. Vielleicht aber auch, weil es einen kleinen Einblick in meine alltäglichen Abgründe zeigt, von denen Andrea natürlich nichts weiß.
Irgendwann nach diesem Missverständnis mit mir hatte sie Daniel kennengelernt und ein sehr bürgerliches Leben mit Kind, Haus und Hund angefangen. Die Jahre sind vergangen wie ein Wimpernschlag. Ihr Sohn studiert in Boston, das Haus ist verkauft und ihr Mann mit einer jüngeren und noch strafferen Frau abgehauen. Unheimlich klein sieht sie aus, während sie neben mir sitzt und aus dem Fenster blickt. Der SLK gleitet über die Küstenstrasse.
“Mal abgesehen von diesem Buch bin ich derselbe geblieben”, sage ich vor mich hin. Und ich weiß ganz genau, dass das nicht stimmt. Mein Geschriebenes, der Tod meines Vaters, meine Scheidung, mein Sohn, ja sogar das Leben hier in dieser Einsamkeit haben mir vieles genommen und auch gegeben. Alles zur gleichen Zeit.
“Wer hat sich eigentlich früher so sehr über Mercedesfahrer aufgeregt und wer hat von moralischer Verpflichtung gesprochen, auch wenn eine Ehe schlecht läuft”, entgegnet Andrea trocken.
Ich grinse und wir sprechen den Rest der Fahrt nicht mehr.
Es ist schön, dass sie hier ist. Ein ungewohntes Gefühl von Freude steigt auf tief in meinem Inneren. Es fühlt sich an wie ein Adler, der seine Schwingen ausbreitet.
Andrea und ich kennen uns seit der 9. Klasse.
Damals hatte sie das qualvolle Ende meiner ersten Beziehung miterleben müssen. Zunächst hatte ich mich wochenlang im eigenen Leid gesuhlt, doch dann die gnadenlos gute Idee entwickelt, die Verflossene einfach für tot zu erklären. Ich ernannte mich selbst zum Witwer, lief mit versteinerter Mine durch die Gegend. Ein Zustand, aus dem ich übrigens kaum noch heraus kommen sollte. Es muss so in etwa zu der Zeit begonnen haben, als Supertramp ihr “breakfast in america” raus brachten.
Andrea begleitete mich damals bei meinem Leid. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sie heute ein Hospiz leitet.
Mein Leben nahm zu der Zeit wirklich an Fahrt auf. Ich wurde “Witwer”,
wiederholte die neunte Klasse, wollte plötzlich Erzieher werden, rauchte meinen ersten Joint, war von jetzt auf gleich keine Jungfrau mehr….und….und…und. Im Nachhinein denke ich oft, etwas dosierter hätte ich das viel besser vertragen. Alles fand sein jähes Ende in den Wochen, als alle Welt “it’s raining again” summte. Womit wir ja schon wieder bei den Jungs von Supertramp wären. Ich hörte den ganzen Tag nur “Don’t Leave me now”. Ich glaube, ich kann froh sein, dass sogar meine Zierfische davon nicht depressiv wurden. Ein theatralischerer Song ist mir seitdem noch nicht wieder untergekommen, genial und so unendlich schmerzhaft.
Jedenfalls war es Andrea, die den Tonträger heimlich ins Jenseits beförderte. Vielleicht hat sie die völlig abgenudelte LP auch immer noch im Regal stehen. Ich traue mich nicht, sie danach zu fragen.
Möglicherweise habe ich schon damals die Weichen für mein Leben falsch gestellt. Aber ist es nicht eher so, dass im Gleiswerk andere die Richtung vorgeben? Seines eigenen Glückes Schmied? Alles Blödsinn, bestimmt.
Andrea und ich sitzen auf der Terrasse eines kleinen Restaurants einen Steinwurf von Westerlands Zentrum entfernt. Und es ist die Art, wie ihre zarten kleinen Hände die Teetasse umfassen und zu ihrem sinnlichen Mund führen. Sie lächelt in sich hinein, als sie merkt, wie ich sie beobachte.
“Schau mich nicht so an, sonst gewöhnst du dich zu schnell daran. Daniel habe ich nach all’ den Jahren nur noch gelangweilt. Und er hat Abhilfe geschaffen für sich und sein restliches Leben. Aber ich? Ich sitze hier mit dir und mal ganz ehrlich, von damals bis genau zu diesem Moment sind wir keinen Millimeter weiter!”
Gerade hole ich Luft und will etwas sagen. Da unterbricht sie mich auch schon. “Sag’ bitte nichts. Es würde alles noch viel schlimmer machen.”
Ich schweige, blicke in meine Tasse Kaffee. Wir alle haben unsere kleinen und großen Geheimnisse. Und mal abgesehen von all` den Leichen im Keller sind es Episoden voller Schönheit, die wohl nie über unsere Lippen kommen würden. Ich rätsele immer wieder, warum wir über so unfassbar schönes nicht sprechen.
Vielleicht haben wir es nie gelernt oder einfach die Fähigkeit dazu verloren.
Andrea streicht ihr Haar aus dem Gesicht und versucht ein Lächeln.
Nachmittage auf einer deutschen Insel können grausam sein.
Zwei Tage später sitze ich in meiner geräumigen Küche und lausche den Geräuschen meines Geschirrspülers. Es fühlt sich für einen Moment an wie Meditation. Am Himmel fliehen die Wolken in einer hohen und gleichmäßigen Geschwindigkeit.
Andrea ist vor zwei Stunden wieder gefahren. Unser Schweigen konnte sie nicht mehr ertragen nach den kurzen Gesprächen, die eigentlich keine waren.
Was hatte sie wohl erwartet? Einen glamourösen Autor, der „very busy“ an seinem iphone nestelt und eine Standleitung nach Hollywood hat?
Ich bin etwas enttäuscht von ihr, aber auch von mir und von dieser Welt.
Meine Welt, sie ist immer leiser, immer schweigsamer geworden. Streiche ich mit den Händen über die Raufaser im Flur, ist das Geräusch schon allemal lauter als der Rest der nächsten Tage.
Ich könnte Nadine anrufen, die mir gern einen Termin gibt. 300 Euro für eine halbe Stunde. „Ohne“ kostet nochmal 150 extra. Ich hatte sie mal gemietet für einen Tag. Gerald hatte sich totgelacht, weil er es mir einfach nicht glauben wollte.
„Deiner Kreativität wird es nicht schaden, du elender Nimmersatt“, wieherte er.
Und dabei bin ich unendlich satt von allem. Selbst Nadine würde aus mir nichts mehr heraus blasen, saugen, peitschen.
Unendliche Leere.
Als ich am nächsten Tag bei meinem Therapeuten sitze, ist es schon die Art und Weise wie er seine Lesebrille auf sein linkes Knie legt, nichts sagt, aber immer nickt. Er bewegt seinen Kopf von oben nach unten, auch wenn ich nichts sage. Ob das eine Kassenleistung ist oder kostet das extra?
Ich frage ihn, was von mir übrig bleiben wird, wenn das alles vorbei ist.
„Aber Herr Sailer, ich gebe hier doch keine Antworten“, entgegnet er ganz leise.
Derweil blicke ich aus dem Fenster ins Grüne. Das soll ja bekanntlich beruhigen.
Ich muss hier weg. Es erdrückt mich.
Auf der Rückfahrt suche ich wieder nach dem Schuldigen, demjenigen, der daran die Verantwortung trägt. Daran, dass nichts normal bei mir läuft. Und immer wieder komme ich bei mir selbst an.
Daheim fange ich an, im gesamten Haus aufzuräumen.
Morgen ist Dienstag und Edna, meine italienische Putzfrau wird sich wie ein Lavastrom durch die einzelnen Räume arbeiten. Ständig fördert sie seltsame Dinge zutage. Tangaslips, auf denen Wochentage stehen oder einen genoppten, verchromten Vibrator. Sie drapiert diese Fundstücke immer sehr kreativ auf dem einzigen Stuhl in meinem Schlafzimmer. Vielleicht sollen die Sachen Zeugnis geben für mein nutzloses Leben. Ein Leben, in dem ich mich an die wenigen Damen, die dieses Haus betreten haben, gar nicht erinnern kann. Ein Slip, auf denen „Montag“ steht? Ich habe keine Ahnung. Und das andere blendende Utensil? Ich lasse es lieber. Grauenhaft.
Neben dem kleinen Fenster hängt das Foto eines Mannes. Er blickt durch den Betrachter hindurch. Seine Gedanken sind ganz sein Geheimnis in diesem Moment. Sie werden es auch bleiben. Gerade frage ich mich, wann ich dieses Foto von meinem Vater geschossen habe. Vielleicht drei Jahre vor seinem Tod? Ich weiß es nicht. Meine Erinnerungen bleiben blass und stumpf. Ein Fremder. Über was habe ich mit ihm jemals geredet?
Und warum hängt dieses Bild hier? Warum habe ich es hier hingehängt? Weil es anständig ist? All diese Fragen schmerzen gerade in diesem Moment. Sie schlagen eine Schneise mitten durch mein Herz.
“Mach dir keine Sorgen”, flüstert mein Agent, “falls du das erste Kind deiner Eltern warst, haben sie dich auch mehr geliebt als deine Geschwister!” Mein Agent Gerald hat gerade diesen spöttischen Unterton, und es gibt genug Gründe dieses Gespräch nun endgültig zu beenden.
Wir reden gerade über mein zweites Buch.
Es liegt wie Blei in den Regalen.
Mein Erstling, natürlich halb gelogen und halb biographisch, verzückte sämtliche Kritiker. Er thronte 78 Wochen auf dem ersten Platz der Belletristik-Charts. Und ich kauere hier schutzlos auf meinem Sofa, blicke durch das große Panoramafenster in die Dunkelheit.
Früher war ich nur reich an Erfahrung, seit einiger Zeit nervt mein Banker mit immer neuen Ideen, mein Kapital zu vergrößern.
Ich trete vor die verglaste Front, in der ich mich durch die vollkommene Dunkelheit perfekt spiegeln kann und lege einfach auf.
Ich schalte mein Handy ab, schließe die Augen. Der Wetterbericht hatte recht. Die ersten Ausläufer eines Sturmtiefs erreichen die Küste. Der Wind presst sich an die Scheiben, aber ansonsten ist es sehr still.
Einer der Welse in meinem Aquarium schnellt an die Wasseroberfläche, um sich dann wieder hinab gleiten zu lassen.
Was will Gerald eigentlich von mir?
“Stefanies Wahrheit ” ist zweimal verfilmt worden. Nadia Uhl und Kirsten Dunst. Ich weiß nicht, welche von beiden meiner Hauptperson mehr Schärfe, mehr Sinnlichkeit gegeben hat. Neben ihnen durfte Gerald über den roten Teppich schreiten, in Berlin, in Hollywood auch. Wahrscheinlich hat ihn das süchtig gemacht. Anders lassen sich seine penetranten Anrufe mit der Bitte um eine Fortsetzung wohl kaum erklären.
Ich fühle mich müde und matt. In meiner Nachbarschaft halten mich alle ganz sicher für neureich. Sie haben recht und kennen mich dabei kaum. Der Spiegel hat ein dreiseitiges Interview abgedruckt, aber ohne Bild. Den „Rolling Stone“ liest hier auf Sylt wohl niemand und Arte wird immer ein Nischensender bleiben. Also was soll’s. Ich schleiche die steile Treppe hoch Richtung Schlafzimmer.
Keith Jarretts Köln Concert wiegt mich in den Schlaf. Ich fühle mich hohl, dumpf und gelangweilt von mir selbst.
Am nächsten Morgen peitscht Regen über die Insel. Ich möchte gar nicht aufstehen. Es ist schon seltsam, wenn keine Verpflichtungen auf einen warten. Sie nennen mich Autor, Künstler, ich weiß nicht, was sonst noch. Als ich meinen alten Deutschlehrer vor einiger Zeit besucht hatte, erntete ich nur Kopfschütteln. “Sailer, Sailer…..Teufel auch! ” Während seine Worte an meine Ohren drangen, umwabert sein unsäglicher Zigarrenrauch meinen Kopf. Die Sauerstoffsättigung in meinem Blut geht gegen null.
“Sie Teufelskerl, sie! Unterschätzt, definitiv unterschätzt!” murmelte er.
Dieser Teufelskerl liegt hier unter seiner Decke und traut sich nicht in einen Tag, der ihm so gar nichts abverlangen will. Die Tage und Nächte sind seit fast zwei Jahren nur gut zu mir. Aber ich weiß das nicht zu schätzen, fange damit nichts an. Die Angst als ständiger Begleiter ist verschwunden. Geblieben sind eine unendliche Leere und die Tatsache, dass ich zwar vorher keine echten Freunde hatte, sich das nun aber auch nicht geändert hat.
Ich sitze auf meiner Bettkante und friere. Würde ich hier verweilen, es würde niemand registrieren. Es würde niemanden interessieren.
Später bin ich Richtung Kampen unterwegs. Der Regen hämmert gnadenlos auf das Blechdach meines SLKs.
Silke und Britta habe ich in Frankfurt auf der Buchmesse kennengelernt. Sicherlich ist es keine Freundschaft, die uns seitdem verbindet. Aber ich spüre, dass sie sich wirklich freuen, wenn ich zum Frühstücken in ihr kleines, aber gediegenes Bistro komme. Ihre Umarmungen sind ehrlich, obwohl mir immer etwas schwindelig wird, wenn beide ihre Körper so ganz und gar an mich pressen. Beide, jede für sich hat ganz sicher abgewägt, ob ich vielleicht der Mann an ihrer Seite sein könnte. Und dabei ist es dann aber geblieben.
Ich nippe an meinem Kaffee, schaue in die Runde. esse Rührei, bekleckere mich mit Ketchup und krümele mit meinen Brötchen.
Ohne Plan, aber auch ohne Sorgen. Oder umgekehrt, und das klingt dann schon nicht mehr so erfreulich.
Heimlich fahre ich mit meinen Fingern über mein Gesicht. Was ist aus mir geworden? Seltsam schwach fühle ich mich plötzlich. Gibt es auch Bettkanten in Bistros? Vermutlich.
Der Laden füllt sich allmählich. Silke und Britta rotieren. Ich winke ihnen zum Abschied stumm zu.
Draußen bleibe ich eine Weile in der steifen Brise stehen, einsam und allein gelassen. Und weiß dabei trotzdem nicht, was oder wer mir wirklich fehlt.
Damals wollte ich immer wie Redford sein, ein Sundance Kid. Oder so wie Hoffman in “Die Reifeprüfung “. Irgendwo dazwischen habe ich mich aber wohl verlaufen oder an einer Kreuzung den falschen Weg gewählt.
Ich schlage den Kragen meines Mantels hoch und gehe Richtung Parkplatz.
Mein Laptop ist ein Lenovo 550, alt aber verlässlich. Mittlerweile staubt er schon leicht ein, weil mir seit Tagen nichts mehr einfallen will, was sich aus einem kleinen zu einem großen Ganzen zusammen fügen könnte. Früher hatte ich ein Gespür dafür, wann eine Geschichte in mir lauerte, sich anfing zu regen und zu bewegen. Im Moment ist da gar nichts. Gerald weiß das seit kurzem, für mich ist das nichts Neues. Ich spüre nichts.
Als ich die Tür meiner alten Kate aufschließe, kann ich an meinem Zuhause nichts Positives finden. Es ist niemand da, der hier dem ganzen etwas Wärme gibt, das kleine Haus zu einem Heim macht. Im Flur halte ich kurz inne.
Ich hatte mich für diese Immobilie entschieden, nachdem ich in Hannover keine Ruhe mehr finden konnte.
Andererseits bin ich einfach nur froh. Froh und verrückt, dieses einsame Leben zu führen. Die Sehnsucht nach einem anderen Menschen ist längst gegangen. Sie hat sich fortgeschlichen. Ich weiß es. Mir konnte es keine Frau recht machen. Und ich bin für die Frauen immer ein Rätsel geblieben, mal unnahbar und manchmal einfach nur ein Trottel.
Durch “Stefanies Wahrheit” habe ich mich freikaufen können. Aber der Preis war hoch.
Hier auf Sylt kennt mich niemand. Stundenlang laufe ich am Strand und durch die Dünen. Vielleicht bin ich ein Flüchtender, ein Suchender.
Ich würde mir selbst nicht über den Weg trauen wollen, wirklich.
Als ich mein Handy anmache, sind 17 Nachrichten auf der Mailbox. Natürlich Gerald zwölfmal, meine Mutter dreimal.
Aber auch zwei Nachrichten von Andrea.
Die gemeinsame Zeit mit ihr ist ein Sonnensystem entfernt. Ihre Stimme klingt auch beim erneuten Abhören der Sprachnachricht so unendlich zerbrechlich. Meine Nackenhaare stellen sich auf.
Drei Tage später hole ich sie vom Bahnhof ab. Sie winkt mir von weitem zu.
Als sie direkt vor mir steht, umfassen ihre schlanken Hände mein unrasiertes Gesicht. Endlose Schauer laufen mir den Rücken hinunter. Sie ist wunderschön.
“Müde siehst du aus“, flüstert sie leise. Ihre Lippen berühren dabei nur ganz flüchtig mein rechtes Ohrläppchen.
“Auf der Flucht lebt es sich nicht so entspannt”, entgegne ich. Wir beide müssen lachen, weil es vielleicht blanker Unsinn ist. Vielleicht aber auch, weil es einen kleinen Einblick in meine alltäglichen Abgründe zeigt, von denen Andrea natürlich nichts weiß.
Irgendwann nach diesem Missverständnis mit mir hatte sie Daniel kennengelernt und ein sehr bürgerliches Leben mit Kind, Haus und Hund angefangen. Die Jahre sind vergangen wie ein Wimpernschlag. Ihr Sohn studiert in Boston, das Haus ist verkauft und ihr Mann mit einer jüngeren und noch strafferen Frau abgehauen. Unheimlich klein sieht sie aus, während sie neben mir sitzt und aus dem Fenster blickt. Der SLK gleitet über die Küstenstrasse.
“Mal abgesehen von diesem Buch bin ich derselbe geblieben”, sage ich vor mich hin. Und ich weiß ganz genau, dass das nicht stimmt. Mein Geschriebenes, der Tod meines Vaters, meine Scheidung, mein Sohn, ja sogar das Leben hier in dieser Einsamkeit haben mir vieles genommen und auch gegeben. Alles zur gleichen Zeit.
“Wer hat sich eigentlich früher so sehr über Mercedesfahrer aufgeregt und wer hat von moralischer Verpflichtung gesprochen, auch wenn eine Ehe schlecht läuft”, entgegnet Andrea trocken.
Ich grinse und wir sprechen den Rest der Fahrt nicht mehr.
Es ist schön, dass sie hier ist. Ein ungewohntes Gefühl von Freude steigt auf tief in meinem Inneren. Es fühlt sich an wie ein Adler, der seine Schwingen ausbreitet.
Andrea und ich kennen uns seit der 9. Klasse.
Damals hatte sie das qualvolle Ende meiner ersten Beziehung miterleben müssen. Zunächst hatte ich mich wochenlang im eigenen Leid gesuhlt, doch dann die gnadenlos gute Idee entwickelt, die Verflossene einfach für tot zu erklären. Ich ernannte mich selbst zum Witwer, lief mit versteinerter Mine durch die Gegend. Ein Zustand, aus dem ich übrigens kaum noch heraus kommen sollte. Es muss so in etwa zu der Zeit begonnen haben, als Supertramp ihr “breakfast in america” raus brachten.
Andrea begleitete mich damals bei meinem Leid. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sie heute ein Hospiz leitet.
Mein Leben nahm zu der Zeit wirklich an Fahrt auf. Ich wurde “Witwer”,
wiederholte die neunte Klasse, wollte plötzlich Erzieher werden, rauchte meinen ersten Joint, war von jetzt auf gleich keine Jungfrau mehr….und….und…und. Im Nachhinein denke ich oft, etwas dosierter hätte ich das viel besser vertragen. Alles fand sein jähes Ende in den Wochen, als alle Welt “it’s raining again” summte. Womit wir ja schon wieder bei den Jungs von Supertramp wären. Ich hörte den ganzen Tag nur “Don’t Leave me now”. Ich glaube, ich kann froh sein, dass sogar meine Zierfische davon nicht depressiv wurden. Ein theatralischerer Song ist mir seitdem noch nicht wieder untergekommen, genial und so unendlich schmerzhaft.
Jedenfalls war es Andrea, die den Tonträger heimlich ins Jenseits beförderte. Vielleicht hat sie die völlig abgenudelte LP auch immer noch im Regal stehen. Ich traue mich nicht, sie danach zu fragen.
Möglicherweise habe ich schon damals die Weichen für mein Leben falsch gestellt. Aber ist es nicht eher so, dass im Gleiswerk andere die Richtung vorgeben? Seines eigenen Glückes Schmied? Alles Blödsinn, bestimmt.
Andrea und ich sitzen auf der Terrasse eines kleinen Restaurants einen Steinwurf von Westerlands Zentrum entfernt. Und es ist die Art, wie ihre zarten kleinen Hände die Teetasse umfassen und zu ihrem sinnlichen Mund führen. Sie lächelt in sich hinein, als sie merkt, wie ich sie beobachte.
“Schau mich nicht so an, sonst gewöhnst du dich zu schnell daran. Daniel habe ich nach all’ den Jahren nur noch gelangweilt. Und er hat Abhilfe geschaffen für sich und sein restliches Leben. Aber ich? Ich sitze hier mit dir und mal ganz ehrlich, von damals bis genau zu diesem Moment sind wir keinen Millimeter weiter!”
Gerade hole ich Luft und will etwas sagen. Da unterbricht sie mich auch schon. “Sag’ bitte nichts. Es würde alles noch viel schlimmer machen.”
Ich schweige, blicke in meine Tasse Kaffee. Wir alle haben unsere kleinen und großen Geheimnisse. Und mal abgesehen von all` den Leichen im Keller sind es Episoden voller Schönheit, die wohl nie über unsere Lippen kommen würden. Ich rätsele immer wieder, warum wir über so unfassbar schönes nicht sprechen.
Vielleicht haben wir es nie gelernt oder einfach die Fähigkeit dazu verloren.
Andrea streicht ihr Haar aus dem Gesicht und versucht ein Lächeln.
Nachmittage auf einer deutschen Insel können grausam sein.
Zwei Tage später sitze ich in meiner geräumigen Küche und lausche den Geräuschen meines Geschirrspülers. Es fühlt sich für einen Moment an wie Meditation. Am Himmel fliehen die Wolken in einer hohen und gleichmäßigen Geschwindigkeit.
Andrea ist vor zwei Stunden wieder gefahren. Unser Schweigen konnte sie nicht mehr ertragen nach den kurzen Gesprächen, die eigentlich keine waren.
Was hatte sie wohl erwartet? Einen glamourösen Autor, der „very busy“ an seinem iphone nestelt und eine Standleitung nach Hollywood hat?
Ich bin etwas enttäuscht von ihr, aber auch von mir und von dieser Welt.
Meine Welt, sie ist immer leiser, immer schweigsamer geworden. Streiche ich mit den Händen über die Raufaser im Flur, ist das Geräusch schon allemal lauter als der Rest der nächsten Tage.
Ich könnte Nadine anrufen, die mir gern einen Termin gibt. 300 Euro für eine halbe Stunde. „Ohne“ kostet nochmal 150 extra. Ich hatte sie mal gemietet für einen Tag. Gerald hatte sich totgelacht, weil er es mir einfach nicht glauben wollte.
„Deiner Kreativität wird es nicht schaden, du elender Nimmersatt“, wieherte er.
Und dabei bin ich unendlich satt von allem. Selbst Nadine würde aus mir nichts mehr heraus blasen, saugen, peitschen.
Unendliche Leere.
Als ich am nächsten Tag bei meinem Therapeuten sitze, ist es schon die Art und Weise wie er seine Lesebrille auf sein linkes Knie legt, nichts sagt, aber immer nickt. Er bewegt seinen Kopf von oben nach unten, auch wenn ich nichts sage. Ob das eine Kassenleistung ist oder kostet das extra?
Ich frage ihn, was von mir übrig bleiben wird, wenn das alles vorbei ist.
„Aber Herr Sailer, ich gebe hier doch keine Antworten“, entgegnet er ganz leise.
Derweil blicke ich aus dem Fenster ins Grüne. Das soll ja bekanntlich beruhigen.
Ich muss hier weg. Es erdrückt mich.
Auf der Rückfahrt suche ich wieder nach dem Schuldigen, demjenigen, der daran die Verantwortung trägt. Daran, dass nichts normal bei mir läuft. Und immer wieder komme ich bei mir selbst an.
Daheim fange ich an, im gesamten Haus aufzuräumen.
Morgen ist Dienstag und Edna, meine italienische Putzfrau wird sich wie ein Lavastrom durch die einzelnen Räume arbeiten. Ständig fördert sie seltsame Dinge zutage. Tangaslips, auf denen Wochentage stehen oder einen genoppten, verchromten Vibrator. Sie drapiert diese Fundstücke immer sehr kreativ auf dem einzigen Stuhl in meinem Schlafzimmer. Vielleicht sollen die Sachen Zeugnis geben für mein nutzloses Leben. Ein Leben, in dem ich mich an die wenigen Damen, die dieses Haus betreten haben, gar nicht erinnern kann. Ein Slip, auf denen „Montag“ steht? Ich habe keine Ahnung. Und das andere blendende Utensil? Ich lasse es lieber. Grauenhaft.
Neben dem kleinen Fenster hängt das Foto eines Mannes. Er blickt durch den Betrachter hindurch. Seine Gedanken sind ganz sein Geheimnis in diesem Moment. Sie werden es auch bleiben. Gerade frage ich mich, wann ich dieses Foto von meinem Vater geschossen habe. Vielleicht drei Jahre vor seinem Tod? Ich weiß es nicht. Meine Erinnerungen bleiben blass und stumpf. Ein Fremder. Über was habe ich mit ihm jemals geredet?
Und warum hängt dieses Bild hier? Warum habe ich es hier hingehängt? Weil es anständig ist? All diese Fragen schmerzen gerade in diesem Moment. Sie schlagen eine Schneise mitten durch mein Herz.
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Weit vom Schuss
Am Ende stand er einfach nur da und blickte hinab auf all` das, was vor ihm gelegen hatte und nun weit unter ihm kaum noch erkennbar war.
Scheu drehte er seinen Kopf in die Sonne, doch sie vermochte ihn nicht mehr zu blenden.
Alles war plötzlich passiert. Nichts hatte ihm Zeit zum Atmen gegeben. Niemand hatte ihn bestohlen. Und doch fühlte er sich beraubt von der Zeit. Sie rann ihm durch die Finger wie feiner Sand. Unnachgiebig, aber endlich.
Und er hatte nie eine Idee davon gehabt.
“Danke für alles”, hatte sie leise in sein rechtes Ohr geflüstert.
Er hatte sie kaum verstehen können.
Und nun war er ein Suchender auf seinem ganz eigenen Weg.
Zerfahren, müde, weit vom Schuss.
Hätte er doch noch ein weiteres Leben gehabt….nur dieses eine Mal.
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Meine Schuld
Den Supermarkt in unserem Ort gibt es seit ungefähr zwei Jahren.
Ich gehe langsam an den Regalen vorbei. Eines der vorderen Räder meines Einkaufwagens dreht sich ganz schnell rechts herum. Ich mag dieses Rad. Es macht einfach, was es will.
Nicht selten komme ich hierher, ziellos und ohne Wunsch nach irgendetwas.
Seltsam. Beim Blick auf Dosensuppen oder frisches Obst frage ich mich oft, was Glück ist. Was bedeutet es wohl für die Frau vor mir. Sie lächelt und bestellt 500 Gramm Gehacktes, betrachtet kurz danach ihre schlanken und gepflegten Hände. Für einen kurzen Moment sieht sie für mich wunderschön aus, mädchenhaft, jung, frei. Und ich weiß gar nicht, warum.
Am Tchibo –Regal flüstert ein junger Mann Zärtliches in sein Handy, in der rechten Hand eine verchromte Eieruhr………….Zeit…………immer wieder zum Aufziehen. Sie vergeht im Grunde nie, wie praktisch.
Heute ist einer dieser Tage. Ich finde alles um mich herum unendlich erstaunlich und bemerkenswert.
Ein alter Mann mit Jutetasche geht an mir vorbei und murmelt: „Es war alles deine eigene Schuld.“
Die Eleganz seiner Wörter bricht mir fast das Herz.
Ich schließe die Augen, und in der plötzlichen Dunkelheit sehe ich vieles schärfer als es eigentlich ist.
Warum bin ich nicht dieses Rad an meinem Einkaufswagen?
Es dreht und niemand weiß, wohin.
Niemand interessiert es.
Niemand bemerkt es.
Und es hat keine eigene Schuld.
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